Fragen kostet nichts


Aufgewachsen bin im Strausberger Wohngebiet Otto-Grotewohl-Ring. Für mich als Schlüsselkind war das sicher eine gute Wohngegend mit vielen Nachbarn zum Aufpassen, vielen anderen Kindern zum Spielen und ausreichend Spielplätzen. Ab dem späten Kindesalter jedoch genügten Sandkasten und Wippe meinen Bedürfnissen nicht mehr, denn ich habe den Ball für mich als Spielgerät entdeckt. Zu meiner Freud, der Nachbarn´ Leid, waren für Fußball ausreichend Wäschestangen und Hauswände vorhanden. Für Basketball aber gab es kurz nach der Wende nur eine öffentliche Möglichkeit, der Schulsportplatz am Bahnhof Hegermühle. Meine Welt wurde größer und wuchs um eine Station mit der S-Bahn bis zum Herrensee. Dass der Kies schlecht für Schuhe und Ball war, wurde vom Bahnhofslicht aufgewogen. Alt genug, nicht mehr mit dem ersten Glimmen der Straßenlaternen nach Hause zu müssen, konnte man durch die grellen Leuchtstoffröhren auch zur jetzigen, dunklen Jahreszeit noch bis zum Abend Körbe werfen.

Auch wenn ich nun nicht mehr zur Zielgruppe gehöre, habe ich dennoch mit Freude vernommen, dass das Wohnumfeld Hohensteiner Chaussee im Frühjahr 2017 seine erste öffentliche Sportanlage bekam. Was lange währt, wird meist gut, manchmal jedoch auch nicht. Die Korbanlage ist nämlich nicht bespielbar, weil darüber ein Sicherheitsnetz gespannt wurde. Dieses verhindert erfolgreich, dass zu hoch geschossene Bälle die umzäunte Anlage Richtung Straßenverkehr verlassen, aber eben auch jeden ordentlichen Korbwurf. Selbstverständlich kann man niemandem deshalb einen Vorwurf machen. Als Planer solcher Anlagen ist Basketballkunde sicher keine Einstellungsvoraussetzung und in Bauzeichnungen Flugkurven von Bällen nicht üblich. Zudem geht Sicherheit stets vor und Basketball ist ohnehin wenig populär, sodass es womöglich kaum traurige Kinder gibt.

Dennoch ist es bezeichnend dafür, wie lieblos Strausberg in den letzten Jahren entwickelt wurde. Gefühlt entstand in den letzten Jahren nichts Neues, und wenn doch, dann nicht vollends durchdacht. Wenn ich an dem neuen Court vorbei fahre, kann ich nur lachen. Nein, kein hämisches Lachen, sondern ein komisches. Ich stelle mir eine feierliche Eröffnung bildlich vor, mit der Anwesenheit aller Anwohner, erwartungsvollen Kindern, der Presse und natürlich den Verantwortlichen. Medienwirksam präsentiert sich eine wichtige Persönlichkeit voller Stolz über das soziale Projekt mit einem Ball, um diesen, bedeutsam wie einen ersten Spatenstich oder eine Schiffstaufe, lässig im Korb zu versenken. Jene Person geht leicht in die Hocke, zielt konzentriert, lächelt in die Kamera und plumps, der Ball ist einfach wieder runter gefallen, weil das Netz an der Decke seiner Aufgabe nachkommt. Die Realität ist leider weniger amüsant. 27 Jahre nach der Wiedervereinigung kriegt man einen Käfig hingestellt und soll zufrieden sein, dass nun überhaupt etwas da ist.

Die eigentlich viel größere Sache ist, das Problem zu beheben. Mit Netz gibt es also kein Basketball, ohne Netz ist die Sicherheit im Straßenverkehr nicht mehr gewährleistet. Das Netz höher hängen ist technisch aufwendig und vermutlich sehr teuer. Hätte man mal vorher die Kinder gefragt. Diese hätten gewiss eine brauchbar Vorstellung geäußert, völlig kostenlos.