Strausberg hat sich zum Mittelzentrum entwickelt, ruht sich aber seit Jahren darauf aus.


Bereits 1247 wurde unsere Stadt wohl unter dem Namen Struceberch erstmals urkundlich erwähnt. Zuvor bestanden bereits eine Burg am Straussee und eine Marktsiedlung am Lindenplatz. Spuren sollen sogar auf eine bronzezeitliche Besiedlung hingewiesen haben. Um 1240 wurde die Stadt Strausberg gegründet. Etwa 1254 wurde die Stadt befestigt und dabei die Stadtmauer errichtet. Aus Feldsteinen gebaut, war sie ursprünglich über 1600 Meter lang und besaß viele Wikhäuser. Auch Teile der evangelische Pfarrkirche St. Marien stammen aus dieser Zeit. Damit ist die Marienkirche heute das älteste Gebäude der Stadt und zählt zu den größten erhaltenen Kirchen des 13. Jahrhunderts in der Mark Brandenburg. Solch imposante Bauwerke wie Burg, Mauer und Kirche bezeugen Strausberg eine schon damals beachtliche Stellung.

Vom Mittelalter bis zu Beginn der Neuzeit war Strausberg durch Krankheiten und Plündereien gezeichnet. Baulich entstanden seinerzeit am heutigen Lindenplatz die Nikolaikirche sowie am Lustgarten das St. Georgs-Hospital mit Friedhof und Kapelle. Fielen beide Einrichtungen dem Dreißigjährigen Krieg zum Opfer, musste die Georgskapelle wohl erst in den 1970er Jahren der Umgestaltung eines Straßenzuges weichen. Erst lange nach dem Krieg konnte Strausberg sich erholen. Mit der Stationierung einer Kompanie 1714 begann die bis heute andauernde Militärgeschichte Strausbergs und wirtschaftliche Impulse vor allem für Tuchmacher.

Die Besiedlung der Vorstadt begann erst 1867 mit der Eröffnung des königlichen Eisenbahnverkehrs zwischen Berlin und Küstrin und dem Bau des Bahnhofs Strausberg (Vorstadt). Die Verbindung zwischen der Stadt und dem Bahnhof wurde zunächst durch private Fuhrunternehmer und die königliche Post hergestellt. 1893 übernahm dies die damalige Strausberger Kleinbahn. Strausberg wurde moderner und städtischer. 1890 wurde das Postamt erbaut, 1895 das Amtsgerichtsgebäude. Es folgten ab 1901 das Schulhaus für die höhere Knabenschule, die Volksbibliothek und das Volksschulhaus in der Hegermühlenstraße, welches heute die Hegermühlen-Grundschule beherbergt. Das Heimatmuseum der Stadt Strausberg wurde 1908 gegründet. Seit 1894 gibt es auf dem Straussee die Fähre, seit 1925 die Badeanstalt und bald darauf sogar einen Flugplatz.

Mit beeindruckender Geschichte ist Strausberg seit Jahrhunderten stetig gewachsen und urbaner geworden, war regional in vielen Dingen Vorreiter und entwickelte sich bis zur größten Stadt im Landkreis. Gegenwärtig aber macht Strausberg seine Funktion als Mittelzentrum nur in einem sehr begrenzten Maße geltend und vermag, nach immerhin mehr als 25 Jahren bundesdeutscher Kommunalpolitik, seine urbane Anziehungskraft nur ungenügend zu inszenieren. Gefühlt herrscht vielmehr Stagnation. Sind wir umgeben von prosperierenden Gemeinden wie Rehfelde, Petershagen/ Eggersdorf und Altlandsberg, hingegen die eigenen Gemarkungen Strausberg, Hohenstein und Ruhlsdorf ein Aufblühen nur wenig verspüren. Vom Boom im Berliner Speckgürtel partizipiert Strausberg bei Weitem weniger als andere Gemeinden wie Neuenhagen und Hoppegarten zum Beispiel. Selbst Gemeinden wie Wilkendorf, Gielsdorf, Wesendahl und Buchholz gehören heute zum 10 Km entfernten Altlandsberg, obwohl sie Anrainer Strausbergs sind.

Irgendwie ist das gemeinsame Ziel abhandengekommen, sich der Urbanisierung, also der städtebaulichen Erschließung und der Gesamtheit der sozialen Veränderungen, anzunehmen und zusammen die Kräfte für die Bürger einzusetzen. Wenn schon bei uns in Brandenburg von effektiveren Strukturen und von Kommunalreformen die Rede ist, dann müssen wir endlich anfangen, bei uns die Dinge, die in den 90er Jahren auf den Kopf gestellt wurden, wieder dorthin zu stellen, wo sie hin gehören, auf stabile Füße. Das ist bisher versäumt worden. Will Strausberg größte Stadt im Landkreis Märkisch-Oderland und das Mittelzentrum der Region bleiben, muss sie aufwachen und sozial, kulturell, infrastrukturell aber auch wirtschaftlich einen Schritt vorwärts gehen. Für das, was es im Einzelnen bedeutet, haben wir hier noch ein paar Fenster. 


eigene Recherchen bei https://de.wikipedia.org/wiki/Strausberg; ISBN 3-89702-743-7; ISBN 3-86134-745-8