Handel, Treffpunkt der Geselligkeit


Zu Zeiten von E-Commerce muss der Einzelhandel arg zurückstecken und sich irgendwie neu erfinden. Begegnete er in den letzten Jahren den Online-Shops bestenfalls mit Zentralisierung und Filialisierungen, zeigt sich selbst in großen Einkaufszentren der Hauptstadt, dass das allein nicht mehr reicht. Für kleinere Gegenden zieht das einen Leerstand von Handelsflächen mit sich und führt zunehmend dazu, dass Städte veröden. Strausberg kann sich hier zu einen der Vorreiter zählen, weil die Stadt auch vor Amazon und Co noch nie so richtig ausgelastet war. Neben der nur halb genutzten Großen Straße würden sich auch das Handelszentrum und das bald neu entstehende Südstadtcenter sicher über mehr Umsätze freuen.

Die Einkaufsmöglichkeiten im Internet aber nehmen weiter zu und dieser Trend wird sich wohl kaum aufhalten lassen. Große Handelshäuser setzen weiter auf Filialisierung und bauen einfach noch größer, bauen schlicht weg nicht nur ein Möbelhaus, sondern gleich mehrere nebeneinander. Der kleine Einzelhändler kann sich gegen solche Giganten kaum auf dem Markt profilieren, glaubt man. Aber die Sache ist viel weitreichender. Es findet ein gesellschaftlicher Wandel statt, das Konsumverhalten aber auch die gesellschaftliche Teilhabe wandelt sich, und das nicht erst seit gestern.

Die Menschen wollen raus aus Ihren vier Wänden, wollen in die Stadt, sind bereit Geld auszugeben, aber eben nicht mehr für CD´s und T-Shirts. Sie gehen raus und suchen Orte, die der Onlinehandel nicht ersetzen kann. Aber vor allem suchen sie Orte der Kommunikation und der Balance. Gerade jetzt, im Internetzeitalter, bedarf es an Plätzen der Kommunikation, an Treffpunkten der Geselligkeit. Längst trinkt man seinen Kaffee beim Frisör, verabredet sich zum Quatschen bei Edeka, liest die News im Sportstudio oder stellt sich samstags geduldig an die Kasse im Eine Welt Laden, weil man weiß jemanden zu treffen, auf den man sich freut. Unternehmer spüren das als erstes und sind es gewohnt, auf Veränderungen reagieren müssen. So sitzt man bei der Hörgeräte-Akustik bequem auf der Couch, vor dem Frisörgeschäft an Bistro-Tischen und vor Lebensmittelläden auf Parkbänken, bekommt  Burger und Brettspiele in der Cocktailbar, feiert Kindergeburtstage in der Sportwelt, sieht Fernsehen und Internet im Eiscafé.

Kaum etwas unterliegt nicht dem Wandel der Zeit. Dabei gibt es vieles, was durch Online-Handel wohl kaum ersetzt werden kann. Besonders in Strausberg ist die Kleinteiligkeit durchaus beliebt, weil sie persönlich ist und mehr Spaß macht als ein Mausklick oder lange Fahrwege. Es findet kein Schwund von Einzelhandel statt, sondern eine Substitution von Geschäften durch Gastronomie, Beauty-Dienstleistungen, Ateliers für Malerei, Seminarräumen, Gesundheit, Drogerie, Regionale Produkte uvm. Um solche Prozesse nicht zu bremsen, einen Leerstand oder ständigen Mieterwechsel entgegen zu wirken und Raum für Neues zu geben, braucht es eine starke Verwaltung die wirtschaftliche Trends frühzeitig erkennt, Veränderungen initiiert und Beschlüsse zielgerichtet umsetzt. Satzungen müssen dem Gewerbe bedarfsgerecht angepasst werden in Hinblick auf Öffnungszeiten, Nutzungszwecken, Räume für und um das jeweilige Geschäft. Der Handel folgt dem Menschen, nicht umgekehrt.