Parken


Täglich gut eine dreiviertel Stunde über Land zum Arbeitsplatz, mit Auto natürlich, ist im Flächenland Brandenburg und insbesondere für Strausberger beinahe normal. Schön wenn man mal frei hat, weil nicht nur Freizeit gewonnen, sondern auch Fahrtkosten gespart werden. Vermeintlich zumindest, denn wehe man wohnt in der Altstadt. In dem Falle verbringt man seine Freizeit nicht mit Ausschlafen und eigenen Belangen, sondern ab neun Uhr alle zwei Stunden mit dem Umstellen der Parkuhr. Sofern man überhaupt einen Kostenlosen Parkplatz bekommen hat. Sonst landet das Ersparte nämlich in einen der Parkscheinautomaten, womit sich der glorreiche Luxus einer Höchstparkdauer von immerhin vier Stunden erkauft wird. Aber wehe dem der sein Auto vorschriftsmäßig nach Ablauf der Höchstparkdauer mal kurz wegfährt, dann war es das nämlich mit dem Parkplatz. Wer seinen einmal aufgibt, braucht bis Ende der Geschäftszeiten auf keinen mehr zu hoffen. Die meisten Anwohner, Teilnehmer der Fortbildungsstätten sowie in der Stadt Berufstätige kennen das. Auch so manch´ Kunde ist länger mit der Parkplatzsuche beschäftigt, als mit seinem Einkauf. Vermutlich ließe sich der Verkehr in der Großen Straße bereits etwas beruhigen, wenn man wegen der Parkplatzsuche nicht dreimal um den Block fahren müsste. Begegnet die Stadt den Mangel an Geschäften tatsächlich mit Mangel an Parkplätzen frei dem Motto, hier ist nix los, kein Grund zum Parken? Zukunftsplanung sieht anders aus und so träumen die Angehörigen der Altstadt ebenso von mehr Parkfläche wie all die anderen Pendler unserer Stadt, die jeden Morgen an den Bahnhöfen solange um die Park&Ride Plätze kurven, bis sie sich entscheiden müssen: Bahn verpassen und Parkticket kassieren.

Wie viele Strausberger bin auch ich Berufspendler und kenne das Problem allzu gut. Anwohnerparkausweise könnte eine Lösung lauten, wenn denn ausreichend Parkflächen vorhanden wären. Aber anstatt in der Stadtplanung so etwas zu berücksichtigen und in die Stadtentwicklung mit einfließen zu lassen, werden vorhandene Räume sogar entzogen. Natürlich ist es schön, dass im Bereich des früheren Club am See Wohnraum geschaffen wird. Zugleich aber wurde den Anwohnern am Nordring sowie den Besuchern der Schwimmhalle, Oberstufenzentrum und Energiearena der Parkraum genommen. Lebensraum ist mehr als eine Wohnung. Lebensraum ist Wohnen, Erholung, Spaß haben, Einkaufen und Soziale Teilhabe zusammen und muss auch so entwickelt werden. Der Stadtkern selbst ist nur halb genutzt und platzt trotzdem aus allen Nähten. Das vorhandene Potential kann als Chance gesehen und genutzt werden, städtischen Lebensraum in seiner Gesamtheit zu entwickeln.