Handwerk hat goldenen Boden


Tatsächlich habe ich nach der Schulzeit zunächst ein Handwerk erlernt und von meinem damaligen Meister mitbekommen, dass ich zwei linke Hände hätte und doch lieber etwas mit Zahlen und Büchern machen solle. So sei es gekommen, ich habe nie wirklich als Kfz-Mechaniker gearbeitet und bin heute Diplom-Finanzwirt (FH). Aber dennoch hat mich mein Werdegang geprägt und gestattet mir ein gesundes Urteilsvermögen.

Auch im medialen Zeitalter repariert das World Wide Web weder mein Auto, klemmt Sicherungskästen, baut Treppen oder möbelt alte Polster wieder auf. Einen Haarschnitt, die Massage, das Anpassen der Brille kann man nicht irgendwo bestellen. Selbst Online gekauft, werden Trachten, Rosshaarmatratzen, Fernsehsessel, Fahrräder, Rattan Möbel und Co eben nicht maschinell gefertigt. Allen handwerklich Tätigen sei versichert, ihr seid unersetzbar und dürft stolz darauf sein, jene Handfertigkeiten zu beherrschen, die andere ein Leben lang nicht erlernen. Ihr seid wichtig für die Gesellschaft nicht nur als Handwerker/innen sondern auch Wirtschaftskraft, Arbeitgeber, Ausbilder und Traditionsbewahrer. Ihr repariert, restauriert oder tauscht aus und seid damit der ökologische Retter einer Wegwerfgesellschaft. Und nur Ihr könnt auf anspruchsvolle Wünsche vor Ort individuell reagieren. Dadurch ist im Handel durchaus bereits eine Rückbesinnung zur Qualität zu erkennen, wenn auch als Lehrberuf immer noch ein verstaubtes Image vorherrscht.

Um Handwerk kommunal zu stärken, muss die Städtebauliche Entwicklung den Bedarf an Gewerbeflächen und Mobilität berücksichtigen. Um Schritt zu halten dürfen Digitalisierung und Telematik nicht stagnieren, es gilt durch Breitbandausbau hohe Datenraten zu ermöglichen. Man muss die Vergabe öffentlicher Aufträge an regionale Anforderungen anpassen in Hinblick auf Qualität, Serviceleistungen vor Ort sowie gute Arbeits- und Beschäftigungsbedingungen und nicht nach dem Billigsten suchen. Vor allem aber muss man Zuhören sowie auch miteinander reden. Denkbar wären hierzu ein kommunaler Unternehmertag, mehr Vorstellung bei den Innungen oder/und einfach nur ein Stammtisch. Letzteres findet federführend der MIT seit Jahren (beinahe) jeden ersten Montag im Monat 19:00 Uhr im Seegasthof Strausberg statt. Interessierte sind nach der Neujahrspause ab Februar wieder herzlich willkommen. Wer nicht persönlich kommen mag, dennoch Anregungen hat, schreibt mir einfach eine Mail.