Wohnungsbauwirtschaft


Nach jahrelangem Stillstand kommt in jüngster Zeit endlich Bewegung in die Wohnungsbauwirtschaft. Strausberg braucht Wohnungen, und zwar schnell, aber bitte welche, die zu Strausberg und ihren Einwohnern passen und sich in den städtischen Lebensraum einfügen. Am Josef-Zettler-Ring 19, gegenüber dem S-Bahnhof Strausberg Stadt, wo jetzt noch alte und seit Jahren ungenutzte Baracken stehen, soll eines der interessantesten Wohnbauprojekte von Strausberg entstehen. Aus umweltschonenden und nachhaltigen Baustoffen bestehend, soll zukünftig ein städtebauliches Highlight von Strausberg errichtet werden. 80 Wohnungen, in Masse Drei-, aber auch zehn Zweiraumwohnungen mit einer ansprechenden Architektur und interessanten Grundrissen sind geplant. Den Raum platzsparend und aber funktional ausgenutzt, sollen zukunftsorientiert Fahrräder auf allen Etagen separate Abstellräume mit E-Bike Lademöglichkeiten und Autos einen Tiefgaragenplatz bekommen, um so die Wege zum eigenen Gefährt kurz zu halten und das Zubetonieren von Fläche zu vermeiden. Das Haus wird getoppt mit einem Dachgeschoss für Urban-Gardening oder einfach nur zum Chillen.

Ein moderner, ökologischer Bau, der wenig Freifläche verschlingt und auf kurzem Weg zur S-Bahn, in die Altstadt, zum Einkaufen, zu Spielplätzen oder zum Café steht, ist beispielhaft für urbanes Bauen und zeigt die Möglichkeiten auf. Warum ausgerechnet Österreicher solch ein Projekt in Strausberg wagen und warum unsere Stadtverwaltung vorrangig unsere grünen Wiesen und Waldflächen mit irgendwelchen Bungalows zuzubauen plant, bleibt fraglich.

Solche Projekte sind wünschenswert, zumal die Initiatoren versprechen, bezahlbar bleiben zu wollen und keine Rekordmieten anzustreben. Das bleibt abzuwarten, gleichwohl mehr Konkurrenz für gewöhnlich die Preise drückt und es deshalb diese Entwicklung weiterhin zu begünstigen gilt. Dennoch muss parallel dazu künftig auch an günstigeren und größeren Wohnraum gedacht werden. Junge Familien brauchen anstelle eines kostentreibenden Fahrstuhls vielmehr zusätzliche Zimmer. Auch hierfür muss gebaut und/oder wenigstens der Zugang zu vorhandenen ermöglicht werden, in dem die Zielgruppe der Neubauten die Bestandsbauten frei gibt. Jedoch verlässt niemand seine eingelebte Wohnung, um sich für höhere Mieten räumlich zu verkleinern. Ältere, deren Kinder seit langem außer Haus und die Kinderzimmer ungenutzt sind, brauchen Anreize um sich für komfortableres Wohnen zu begeistern, ohne Ihr bisheriges Wohnumfeld mit all ihren liebgewonnenen Nachbarn verlassen zu müssen. Denkbar wäre eine Art Quartiertausch ohne finanzielle Mehrbelastung, dafür mit verbesserter Wohnqualität und dem guten Zweck. Durch die Wertaufhellung der Bestandswohnungen wiederum würde an Mietertrag kaum eingebüßt. Hier kann die Stadt und ihre eigene Wohnungsbaugesellschaft Vorreiter sein.