Kulturpark


Soweit ich mich zurück erinnern kann, ist der Kulturpark der kulturelle Ort in Strausberg schlecht hin. Früher spielten dort bereits die großen Bands des Ost-Rocks, deren Musik bis weit in mein Kinderzimmer schallte. Nach der Wende gab es weiterhin tolle Konzerte und Veranstaltungen, wie die Strausberger Verunsicherung und später die Jugendnacht. Das Familienfest mit dem Drachenbootrennen ist das Highlight der Open-Air-Saison, welches stets mit einem dröhnenden Konzert und dem finalen Feuerwerk gekrönt wird. Seit wenigen Jahren inszenieren junge Veranstalter den grandiosen Cirque de la Lune, schaffen mit viel Kreativität und Arbeit ein festliches Ambiente, was seines gleichen sucht. Mit Bars und Food-Courts im Beach-design, geschickter Beleuchtung, mit Gauklern und elektronischer Tanzmusik wird der Kulturpark einmal im Jahr zu dem geschmückt, was er sein möchte, ein Ort der Kultur.

Auch tagsüber ist der Kulturpark die erste Adresse im Sommer. So finden Taucher und Bootsportler genauso ein Domizil wie auch Kinderferienlager und Hüpfburgenstädte. Er bietet Sportlern Platz für den Triathlon und Badegäste müssen nicht zusammengepfercht rumliegen, sondern können auch mal Frisbee o. ä., seit einigen Jahren sogar Beachvolleyball spielen. Der Kulturpark ist damit der vielseitigste und kommunikativste Ort der Stadt. Und auch der schützenswerteste!

Die Entwicklung zeigt, wir Strausberger gehen mit der Zeit. Die Stadt selbst aber scheint dem entgegengesetzt laufen zu wollen - oder zu müssen. Lärmbelästigung wird zunehmend beklagt, aber auch der Besucherabfluss durch die Stadt, der Mangel an Parkflächen und die unzureichende Sanitärversorgung wirken einem kulturellen Fortschritt irgendwie entgegen. Das bringt zunehmende Auflagen mit sich, welche die Veranstalter künftig kaum mehr zu bewältigen wissen und die selbst den Besuchern Nerven kosten. Oktoberfest in München, Baumblütenfest in Werder, Heideblütenfest in Soltau und eigentlich alle anderen Feste die ich kenne dauern mehrere Tage, beinahe ohne Unterbrechung. In Strausberg hält man nicht einmal eine lange Nacht inne, wie in einem Altenheim. Schon zu meiner Jugend haben wir dort tagsüber Musik aufgelegt und gegrillt, heute ist gefälligst Ruhe und ohne grillen; immerhin wird aber die Pizza noch bis in den Park geliefert.

Fakt ist, so geht es nicht weiter und jeder der glaubt, die Stadt tut etwas gegen diese Entwicklung, sei gewarnt. Ein Architekturbüro für Schallmessungen birgt zunächst zusätzliche Kosten ohne die Probleme zu lösen, sondern wird vielmehr für weitere Auflagen sorgen. Zudem wird gegenüber eine sehr wichtige Nachsorgeklinik für traumatisierte und krebskranke Kinder entstehen. Kein Bürgermeister der Welt wird Argumente finden, eine Ruhestörung derer zu legitimieren.

Das soll keine Schwarzmalerei sein, sondern darf als Chance angesehen werden. Vielleicht begegnet man dem steigenden Bedarf an Raum für Kultur mit einem zusätzlichen Platz - einem neuen Platz für Bühne, Konzerte, Zirkuszelte usw.; irgendwo, wo Lärm weniger störend und Logistik einfacher zu bewältigen ist. Zugleich würde im Kulturpark mehr Platz zur Verfügung stehen als Liege- und Spielwiese, für Spiel- und Sportanlagen oder/und endlich einem vernünftigen Häuschen für Gastronomie und Toiletten.