Straussee-Saga

Der Straussee ist die Hauptattraktion und Aushängeschild der Stadt, sein Potential wird dabei nicht voll ausgeschöpft. Großstädter und Anrainer wissen das Idyll zu schätzen und kommen zum Baden hierher, wenn auch stetig weniger. Zudem halten sich spannende Sagen und Mythen über den See, wie „die versunkene Glocke“, und auch Verschwörungstheoretiker haben ihre helle Freude. Was ist nicht alles ursächlich für den sinkenden Wasserpegel. Die Bundeswehr wird bespeist um autark zu bleiben,  der Golfpark Wilkendorf versäuft mehr als ein Regenwald, die Klimaanlage der Sparkasse pumpt den See leer, eine Kampfmittelsprengung riss ein Loch in den Seegrund, die Wasserwerke fördern zu viel, Schrebergärten werden aus illegalen Brunnen bewässert, Regenwasserkanäle wurden bei Straßenmodernisierungen vergessen oder umgeleitet, der Klimawandel ist Schuld oder vielleicht sucht der See auch einfach das Weite, weil hier nix los ist. Viel Stoff - nicht gleich für Hollywood – aber mindestens für Strausberg TV.

Das Thema Wasserschwund ist vermutlich so alt wie die versunkene Glocke. Wenn man alt-eingesessen glauben darf,  setze die Fähre auch in den 60’ern schon mal auf Grund. Selbst ich kenne Winter, an denen ich mir die Schlittschuhe am T-Steg in bequemer Sitzhöhe anziehen konnte, und andere Jahre wiederum der Steg eher Bauchhöhe hatte. Doch Fakt ist, der durchschnittliche Wasserstand nimmt stetig ab, worauf hin das Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung und Institut für Landschaftswasserhaushalt Müncheberg im Dezember 2009 eine Vorstudie betitelt mit „Stabilisierung des Wasserhaushaltes des Straussees“ vorlegte. Ziel dieser sei gewesen, die Erfolgsaussichten für eine anschließende Ursachenanalyse der Seewasserstandentwicklungen zu bewerten.

Ein Wasserdieb wurde nicht ausgemacht, aber wenigstens Anregungen zur Suche gegeben. Nun ist fraglich, ob die darin vorgeschlagenen Maßnahmen initiiert wurden oder ob das gemacht wurde, von dem ich seit 2009 regelmäßig zu hören bekomme, nämlich nichts. Mit Verweis auf den Fördermittelantrag wird die Verantwortung irgendwie gefühlt auf andere geschoben. Dabei stand in der Studie nicht, schreib einen Brief und warte zehn Jahre auf keine Antwort, sondern nennt explizit Maßnahmen, die eine erneute Analyse qualitativer machen sollen. Denn durchaus wurde als Fazit der Studie festgestellt, dass das steigende Defizit der klimatischen Seewasserbilanz die sinkenden Wasserstände des Straussees nicht vollständig erklärt.

Aha, der Klimawandel ist es, aber nicht allein. Vermutlich sind eine Vielzahl von Faktoren, auch den oben genannten, kausal für den Wasserschwund. Klar kann ein/e Bürgermeister/in es nicht regnen lassen, aber die vom Menschen gemachten Ursachen wären vom Menschen auch wieder reparabel, sofern man gewillt ist! Ansonsten heißt es ab sofort, zum Enten füttern nicht nur Brot mitbringen, sondern auch jeder einen Eimer Wasser.